21. Berliner Gespräche zum Gesundheitswesen 2022



Der Inhalt - Ihr Nutzen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die gesundheitspolitischen Bemühungen zur Einführung einer sektorenübergreifenden Versorgung sind so alt wie das SGB V. Die Sektorentrennung stammt sogar aus den 1930er Jahren. Bereits in dem Bericht der Enquete-Kommission vom 12.02.1990 wird festgestellt, dass die Trennung der ambulanten und stationären Versorgung zu einer Diskontinuität der Patientenbehandlung führe und Krankenhäuser in regionale Gesundheitskonferenzen eingebunden werden könnten. Heute bestehen einzelne Ansätze wie die sektorenübergreifende Nutzenbewertung des GBA und die ASV, aber kein grundlegender Ansatz. Die letzte Bundesregierung hat eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Ergebnisse noch ausstehen. Die weiterhin hohe Relevanz des Themas bestätigt der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung: die sektorenübergreifende Planung und Versorgung sind Schwerpunkte des Gesundheitskapitels. Häufig kreist die Diskussion jeweils um einzelne Lösungen. Der Fokus auf übergeordnete und strukturelle Aspekte der Zusammenarbeit zwischen den Sektoren und der Vernetzung zwischen den Gesundheitsberufen gerät dabei ins Hintertreffen.

Ein weiteres bedeutendes gesundheitspolitisches Thema ist die Zunahme von MVZ mit angestellten Ärzten bei gleichzeitigem Rückgang der niedergelassenen Ärzte in Einzel- und Gemeinschaftspraxen. Die Zunahme des Arzttypus angestellter Arzt erfordert eine nähere Beschäftigung mit den rechtlichen Bedingungen, die für angestellte Ärzte im SGB V gelten und führt zudem zu der Frage, welche Player im Gesundheitswesen zukünftig Träger der Versorgung sein werden und Investitionen bereitstellen. Seit mehreren Jahren ist erkennbar, dass Finanzinvestoren Arztpraxen bestimmter Fachrichtungen erwerben und die Vertragsarztsitze über Krankenhäuser in MVZ integrieren. Die Berliner Gespräche haben sich im Rahmen der letzten Tagung 2019 zuletzt mit dieser Thematik beschäftigt. Die Übernahme von Arztpraxen durch Nichtärzte und die Größe der MVZ-Strukturen hat jedoch deutlich an Dynamik gewonnen, so dass insbesondere die Bundesländer und die Kassenärztlichen Vereinigungen gesetzliche Regelungen zur Begrenzung investorengeführter MVZ fordern. Allerdings ist nicht geklärt, ob investorengeführte MVZ die Versorgung strukturell und qualitativ negativ beeinflussen.

Gemeinsam mit Ihnen und den Akteuren des Gesundheitswesens möchten wir auf unserer 21. Tagung die Möglichkeiten intersektoraler Versorgungslösungen und die Reformvorschläge für MVZ diskutieren:

  • Verfassungsrechtliche Möglichkeiten und Grenzen sektorenübergreifender Versorgung
  • Gemeinsame Bedarfs- und Krankenhausplanung
  • Regionale Versorgungsmodelle aus Sicht der Krankenkassen
  • Aufbau, Umsetzung und Finanzierung regionaler integrierter Gesundheitsnetzwerke
  • Mehr Chancen oder mehr Risiken für die vertragsärztliche Versorgung durch MVZ?
  • Antworten des ärztlichen Berufsrechts auf investorenbetriebene MVZ
  • Ökonomisierung der GKV durch investorenbetriebene MVZ?

Die Teilnehmer unserer diesjährigen Tagung erwarten daher spannende Vorträge und Diskussionen zur Zukunft der Versorgungsstrukturen unseres Gesundheitswesens.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und eine angeregte Diskussion mit Ihnen!

Tagungsleitung: